Was ist Rohhonig?
Rohhonig ist Honig, der nach der Ernte möglichst wenig passiert: gesiebt statt gefiltert, nicht stärker erwärmt als im Bienenstock, nicht pasteurisiert. Pollen und Enzyme bleiben darin.
Der Haken an der Sache: Genau das trifft auf fast jeden Honig zu, den du direkt beim Imker bekommst. Honig ist von Natur aus ein Rohprodukt. Eine eigene Honigsorte namens Rohhonig gibt es nicht.
Warum steht „Rohhonig“ nicht auf dem Etikett?
Weil der Begriff in der EU als Bezeichnung nicht zugelassen ist. Ein Imker, der ihn auf sein Glas schreibt, würde mit einer Selbstverständlichkeit werben, und das ist nicht erlaubt. Der Deutsche Imkerbund hat das Ende 2024 noch einmal öffentlich klargestellt.
Deshalb steht auf unseren Gläsern einfach Honig. Nicht weil etwas fehlt, sondern weil nichts fehlt.
Trotzdem ist die Frage berechtigt. Wer nach Rohhonig sucht, will wissen, was nach der Ernte mit dem Honig gemacht wird. Und das ist eine gute Frage, denn da gibt es echte Unterschiede. Also erklären wir es.
Sieben und Filtern sind nicht dasselbe
Nach dem Schleudern enthält Honig größere Wachsteilchen aus den Zelldeckeln. Die müssen heraus, das schreibt die Honigverordnung vor. Dazu läuft der Honig durch ein Sieb.
Ein Sieb hält zurück, was man nicht im Glas haben will. Pollen und die übrigen Bestandteile laufen hindurch und bleiben im Honig. Genau so arbeiten wir.
Filtern ist etwas anderes. Dabei wird so fein getrennt, dass auch Pollen aus dem Honig entfernt werden. Das macht den Honig klar und lange flüssig, nimmt ihm aber die Möglichkeit, seine Herkunft nachzuweisen: Über den Pollen lässt sich bestimmen, wo ein Honig entstanden ist. In der heimischen Imkerei wird normalerweise nicht gefiltert.
Wie viel Wärme verträgt Honig?
Im Bienenstock herrschen rund 35 Grad. Diese Temperatur kennt Honig, sie ist sein Zuhause.
Beim Abfüllen oder beim cremigen Rühren wird Honig manchmal leicht erwärmt, damit er überhaupt fließt. Entscheidend ist, dass er dabei nicht wärmer wird als im Stock. Bei uns wird er das nicht.
Deutlich höhere Temperaturen sind etwas anderes. Eine Pasteurisierung, wie sie bei manchen Importhonigen zum Einsatz kommt, macht Honig lange klar und streichfähig, kostet ihn aber hitzeempfindliche Bestandteile.
Einer davon ist Invertase, ein Enzym, das die Bienen dem Honig selbst zusetzen. Wird Honig zu heiß, verschwindet es. Genau deshalb dient der Invertasewert als Prüfgröße für schonende Behandlung. Einige Bioverbände und das Glas des Deutschen Imkerbundes verlangen einen Mindestwert.
Warum wird Honig fest, und was bedeutet cremig?
Jeder naturbelassene Honig kristallisiert früher oder später. Das ist kein Mangel, sondern normal. Wie schnell es geht und wie grob die Kristalle werden, hängt davon ab, was die Bienen gesammelt haben. Rapshonig wird innerhalb von Tagen fest, Akazienhonig bleibt monatelang flüssig.
Cremig gerührter Honig ist kristallisierter Honig, bei dem der Imker die Kristallbildung begleitet hat. Durch regelmäßiges Rühren entstehen viele sehr feine Kristalle statt weniger grober. Das Ergebnis ist streichzart und bleibt es.
Gerade geworden und zu fest? Stell das Glas für eine Weile in handwarmes Wasser, nicht in die Mikrowelle und nicht auf die Heizung.
Ist Zapfhonig Rohhonig?
Ja, in dem Sinn, den die meisten meinen. Was aus unserer Honigzapfe läuft, ist gesiebt und nicht gefiltert, nie stärker erwärmt als im Bienenstock und nie pasteurisiert.
Die Zapfe selbst arbeitet von Hand und ohne Heizung. Auch cremig gerührten Honig füllst du damit selbst ab, ohne dass er dazu erwärmt werden muss. Der Honig steht in einem geschlossenen Edelstahlbehälter, du stellst dein Glas unter die Düse und ziehst den Hebel.
Dazu kommt der kurze Weg: Unser Zapfhonig hat meist nur wenige Kilometer hinter sich, weil er vom Imker aus der Region kommt.
- Gesiebt, nicht gefiltert Größere Wachsteilchen kommen heraus, so wie es die Honigverordnung vorschreibt. Pollen und die übrigen Bestandteile bleiben drin.
- Nicht wärmer als im Bienenstock Zum Rühren und Abfüllen wird Honig leicht erwärmt. Bei uns nicht stärker, als es die Bienen im Stock selbst tun.
- Die Enzyme bleiben drin Invertase ist hitzeempfindlich. Dass sie im Honig bleibt, ist der Prüfwert für schonende Behandlung.
- Er darf fest werden Naturbelassener Honig kristallisiert von selbst. Das ist kein Fehler, sondern das Gegenteil.
Wo du solchen Honig bekommst
Beim Imker in deiner Gegend. Fast jeder von ihnen hat genau den Honig, nach dem du suchst, nur nennt ihn keiner Rohhonig.
Unseren findest du an den Honigzapfen in Dresden, Meißen und dem Elbland. Dort füllst du dein Glas selbst, ab 50 Gramm, und erfährst direkt an der Zapfe, wo dieser Honig geerntet wurde.
Noch keine Honigzapfe in deiner Nähe? Sag uns, wo eine hingehört.
Hintergrund: Deutscher Imkerbund, Pressemitteilung „Honig ist roh – oder gar kein Honig!“ vom 9. Dezember 2024.